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Der Bohr-Krimi

Bau-Blog-Eintrag II / von Erik Borchers, unserem FÖJler


Einsam in idyllischster Natur steht der Hof Möhr, ein alter Heidebauernhof, heute Sitz der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz. Die Zufahrt aus Kopfsteinpflaster ist mit buntem Laub bedeckt und aus einer nahen Eiche ertönt der Ruf eines Vogels. Auf einmal ist Motorenlärm zu hören: Ein großer, weißer LKW fährt – gefolgt von zwei weißen Transportern – auf den Hof. Mehrere Männer in orangenen Jacken steigen aus und beginnen, schwere Geräte auszuladen.

Das war leider nicht der Anfang eines Krimis, der auf Hof Möhr spielt, sondern so ungefähr sah es an einem Tag im November tatsächlich auf Hof Möhr aus. Was war passiert?

In Vorbereitung für die Bauarbeiten am neuen Seminargebäude, die voraussichtlich erst im Januar richtig starten werden, mussten die Gasleitungen auf Hof Möhr umverlegt werden. Dies lag daran, dass Gasleitungen nicht überbaut werden dürfen und das neue Seminargebäude genau darüber hätte errichtet werden sollen.


Die Vorteile einer Horizontalbohrung!

Beim Verlegen der neuen Gasleitung wurde eine sogenannte Horizontalbohrung angewandt. Dabei wird die Leitung nicht wie üblich in einen offenen Graben hineingelegt (offene Bauweise) sondern mithilfe eines Bohrers, wodurch die Gasleitung direkt unterirdisch verlegt werden konnte. Zwar war diese Maßnahme etwas teurer, insgesamt aber die bessere Wahl. Auf Hof Möhr stehen mehrere sehr alte Eichen. Bei der offenen Bauweise hätten ihre Wurzeln beschädigt werden können. Und die historischen Steine des Parkplatzes hätten neu verlegt werden müssen – ein zusätzlicher Kostenpunkt.

Nun also die Frage: Wie lief diese Horizontalbohrung ab? Als erstes wurden zwei Löcher gebuddelt: Das Kopfloch, also das Loch, an dem der Bohrer anfängt, und die Zielgrube oder das Zielloch, also das Ende der Bohrung. Der Bohrer, präziser der Bohrkopf wird dann durch ein Signal gelenkt, nach dem er sich ausrichtet. Dadurch kann man ziemlich genau bestimmen, wo der Bohrkopf langbohrt. Er schlängelt sich – ferngesteuert – quasi durch den Boden! Während der gesamten Bohrung wird das Bohrloch mit einer Bohrspülung ausgespült, die den Bohrkopf kühlen und die Stabilität des Lochs wahren soll.

Sobald der Bohrkopf im Zielloch angekommen ist, wird die Leitung daran befestigt, die er auf dem Rückweg dann gleich mitnimmt und somit verlegt. Ich muss gestehen, dass das ziemlich geschickt ist. Man schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, wie man so schön sagt.

Nachdem die neue Leitung verlegt war, wurde die vorhandene, alte gesperrt (dann gab's also zwei Stunden lang keine Heizung auf Hof Möhr. 🙁) und die neue Leitung angeschlossen. Anschließend wurden die Erdlöcher wieder mit Erde gefüllt. Und es wurde wieder warm. 🙂

Da ich Ihnen versprochen habe, Sie stets über Neuigkeiten vom Bau auf Hof Möhr zu informieren, ist meine Pflicht jetzt erstmal getan: Sie wissen, was dort vor sich geht und noch dazu, wie so eine Horizontalbohrung abläuft. Der nächste Schritt ist die Geothermie-Bohrung – wohl aber erst im Januar.

Daher: To be continued …


Die Bilder zum Bohr-Krimi

  Bildrechte: M. Kempken
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Artikel-Informationen

erstellt am:
02.12.2021

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