Niedersachen klar Logo

LebensWege

Naturerleben für Menschen mit und ohne Demenz


Was ist LebensWege?

LebensWege ist ein Bildungsprojekt der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz. Ziel des Vorhabens ist es, neue Angebote zur gesellschaftlichen Teilhabe, aktiven Freizeitgestaltung und gesundheitsfördernden Naturbegegnung für Menschen mit Demenz, ihre Angehörigen und weitere Interessierte in der Naturparkregion Lüneburger Heide zu schaffen.

Zu diesem Zweck werden Multiplikatoren der Fachbereiche Umweltbildung und Naturvermittlung, Betreuung und Pflege sowie Sport und Freizeit in Theorie und Praxis qualifiziert und erste Pilotwanderungen in der Naturparkregion durchgeführt. Ferner wird die Verstetigung demenz-sensibler Angebote in ganz Niedersachsen unterstützt.

Das Projekt wird aus Mitteln des europäischen LEADER-Programms zur Stärkung und Weiterentwicklung der ländlichen Räume in der Naturparkregion Lüneburger Heide und vom Niedersächsischen Landesministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz gefördert. Es soll in Kooperation mit Akteuren aus den oben genannten Fachbereichen umgesetzt werden.

Hintergrund

In Niedersachsen leben derzeit mehr als 150.000 Menschen mit einer Demenz, in Deutschland rund 1,7 Millionen. Aufgrund der demografischen Entwicklung werden diese Zahlen in den kommenden Jahren noch einmal drastisch steigen.1 Nur in den seltensten Fällen ist eine Demenzerkrankung heute heilbar. Medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapien können jedoch helfen, die Lebensqualität erkrankter Menschen zu erhalten und zu fördern.

Regelmäßige Bewegung und das Erleben von Natur und Jahreszeiten sind zentrale Elemente der Gesundheitsförderung, auch und gerade für Menschen mit einer demenziellen Erkrankung. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass der Naturkontakt alle Sinne anregt und unser Immunsystem stärkt, moderate Ausdauerbewegung die Mobilität und den Kreislauf fördert, das gemeinsame Tun gesellschaftliche Teilhabe schafft, die Stimmung nachhaltig verbessert und vieles mehr.2

Aufgrund veränderter Bedürfnisse und Verhaltensweisen, etwa bezüglich eines verminderten Antriebes, nachlassender Merk- und sprachlicher Ausdrucksfähigkeit, ziehen sich Betroffene jedoch vielfach aus bestehenden Natur- und Freizeitangeboten zurück. Auch für pflegende Angehörige, die im Betreuungs- und Pflegealltag seelischen und auch körperlichen Belastungen ausgesetzt sind, kommt das Wahrnehmen von naturbasierten Freizeitangeboten und die Pflege sozialer Kontakte oft zu kurz.

Zielsetzungen des Projektes

Das Bildungsprojekt LebensWege befähigt Fachkräfte aus den Bereichen Umweltbildung, Bewegung und Betreuung, demenz-sensible Angebote der naturgestützten Freizeitgestaltung zu entwickeln. Auf diesem Weg unterstützt es betroffene Familien darin, den Erkrankten das wohltuende Erleben der Natur zu ermöglichen, ohne sie zu überfordern, die Beziehung mit ihnen mit positiven Erlebnissen anzureichern und auch den informellen Austausch unter pflegenden Angehörigen zu erleichtern.

Da die Angebote sehr niedrigschwellig angelegt und an das individuelle Niveau der Teilnehmenden anpassbar sind, motiviert das Projekt auch Menschen, die bisher noch nicht „in Bewegung“ gekommen sind – auch über die jeweilige Veranstaltung hinaus. Für die im Rahmen des Projektes geschulten Kräfte ergeben sich zudem neue Wege, sich mit qualitativ hochwertigen, inklusiven Angeboten am Markt zu positionieren.

Die Ziele im Überblick:

  • Förderung der psychischen und physischen Gesundheit
  • Vermeidung von sozialer Isolation und Förderung der gesellschaftlichen Teilhabe
  • Erhalt von Mobilität und möglichst langer Selbstständigkeit
  • Stärkung von Menschen mit Demenz durch Sinnesanregungen, Erfolgserlebnisse und den gemeinsamen Austausch – ohne Überforderung
  • Stärkung von Angehörigen durch den informellen Austausch und das positive gemeinsame Erleben
  • Sensibilisierung für die biologische Vielfalt in der Natur
  • Wahrnehmung der Natur als Lebensraum und nicht nur als bloße Kulisse
  • Motivation der Teilnehmenden, Bewegung und Natur als persönliche Ressource wahrzunehmen und eigenständig zu nutzen
  • Schulung von zertifizierten Natur- und Landschaftsführern, Betreuungskräften nach §53c und Übungsleitenden als Multiplikatoren für inklusive Angebote
  • Förderung der Inklusion in der Naturparkregion Lüneburger Heide und
  • Förderung der Vernetzung von Ehren- und Hauptamtlichen aus den Bereichen Betreuung, Pflege, Natur und Bewegung
  • Stärkung der gegenseitigen Lernens und der Vernetzung in der Region über die Grenzen von Fachdisziplinen hinweg

Zielgruppen

Das Fortbildungsprojekt adressiert Fachkräfte aus den Gebieten Umweltbildung und Naturvermittlung, Betreuung und Pflege, Sport und Freizeit und hierunter insbesondere

  • zertifizierte Natur- und Landschaftsführer*innen
  • Betreuungskräfte nach §53c
  • Übungsleitende des Breiten- und Freizeitsports sowie
  • weitere Interessierte aus der Naturparkregion Lüneburger Heide.

Die Fortbildung soll als Pflichtfortbildung in ihr Weiterbildungsportfolio einfließen.

Die im Rahmen der Qualifikation konzipierten Angebote richten sich an Menschen mit beginnender und mittelgradiger Demenz, die sich ohne Hilfe etwa 90 Minuten fortbewegen können, an ihre Angehörigen sowie weitere Natur- und Wanderinteressierte.

Projektablauf

Projektbeginn war der 01. September 2020. In einer Laufzeit von 13 Monaten bauen sechs Bausteine zeitlich und inhaltlich aufeinander auf:

  Bildrechte: D. Behrens
LebensWege Projektablauf

1. Netzwerkbildung: 01. September 2020 bis 15. Januar 2021

In der Startphase des Projektes wird ein Netzwerk regionaler Akteure und möglicher Kooperationspartner geknüpft, insbesondere aus Pflegeeinrichtungen, Selbsthilfe- und Angehörigengruppen, Betreuungskräften, Natur- und Landschaftsführern, Wanderführern, Übungsleitern des Freizeit- und Breitensports u. a. Ziel ist es, insgesamt etwa zwanzig Teilnehmende für die Fortbildung zu gewinnen. Daneben werden in dieser Phase die Schulungen inhaltlich und organisatorisch vorbereitet, qualifizierte Referenten akquiriert und Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt betrieben.


2. Auftaktworkshop: 15. & 16. Januar 2021

Im Rahmen des ersten zweitägigen Workshops werden die Teilnehmenden ermutigt, das Spektrum ihrer Angebote zu erweitern und Naturangebote wie Wanderungen und Spaziergänge auch für Menschen mit Demenz durchzuführen. Der erste Schulungstag findet dabei getrennt nach Berufsgruppen statt und führt Naturvermittelnde und Übungsleitende inhaltlich tiefer in die Themen rund um die Demenzerkrankung ein, die Betreuungskräfte hingegen in die Naturerfahrung und -vermittlung. Der Tag schließt mit einem gemeinsamen Abendessen, das gleichzeitig der branchenübergreifenden Vernetzung dient. Tag zwei vertieft dann für beide Gruppen relevante Themen wie rechtliche Aspekte, gesundheitliche Auswirkungen, Tipps zur Routenplanung etc.


3. Pilotphase: 17. Januar 2021 bis 24. April 2021

Im Anschluss an den Auftaktworkshop starten die Teilnehmer in eine kontrollierte Pilotphase. In Gruppen von je ein bis zwei Naturführern, Betreuungskräften und Übungsleitenden konzipieren sie insgesamt fünf ca. 90-minütige Wanderangebote für Menschen mit und ohne Demenz, führen diese unter Begleitung der Projektleitung durch und dokumentieren die Ergebnisse in ausführlichen Protokollen. Diese Auswertung wird durch Bildmaterial, quantitative Teilnehmerbefragungen und eigenen Auswertungen ergänzt und dient zusammen mit der Konzeption als schriftliche Hausarbeit, die einen wesentlichen Baustein für die Qualifizierung darstellt. Die Projektleitung führt zudem qualitative Interviews mit Teilnehmenden, Angehörigen bzw. Pflegepersonen, um auch mittelfristige Auswirkungen auf Befinden, Stimmung und Sozialverhalten zu evaluieren.


4. Vertiefungsworkshop: 24. & 25. April 2021

Im Rahmen des Vertiefungsworkshops stellen die Projektgruppen ihre selbst konzipierten und durchgeführten Wanderungen und deren Auswertung mündlich vor. Gemeinsam mit der gesamten Gruppe werden die Ergebnisse reflektiert und bei Bedarf Verbesserungsvorschläge erarbeitet (Peer Learning). Dieses Vorgehen dient der Ergebnissicherung aus den Pilotwanderungen, dem konstruktiven Feedback und der kollegialen Beratung sowie Lösungsfindung hinsichtlich künftiger Angebote. Zudem wird ein Thema unter Anleitung eines externen Referenten weiter vertieft. Inhaltliche Präferenzen hierzu werden bereits in der ersten Schulung abgefragt.


5. Praxisphase und Evaluation: 26. April bis 30. September 2021

Innerhalb von rund fünf Monaten haben die Teilnehmer der Qualifikation nun die Möglichkeit, eigene Wanderangebote für Menschen mit und ohne Demenz zu konzipieren, durchzuführen und auszuwerten. Hierfür steht ihnen die Projektleitung beratend zur Seite, etwa im Hinblick auf Partner- und Teilnehmerakquise, Öffentlichkeitsarbeit etc. Zum Ende dieser Phase werden die Ergebnisse zusammengetragen und fließen in die Gesamtevaluation der Projektes ein. Hieraus wird eine Publikation entwickelt, die als Handreichung allen Partnern und in digitaler Form weiteren Interessierten zur Verfügung gestellt wird. Auf dieser Basis kann das Wissen in weitere Regionen transferiert werden. Zudem sind zu einem späteren Zeitpunkt aufbauende Workshops oder ähnliche Angebote der Ausbildung in anderen Regionen angedacht.


6. Abschlussveranstaltung: 21. September 2021 – Weltalzheimertag

Anlässlich des Weltalzheimertages 2021 kommen alle Teilnehmenden der Qualifizierung noch einmal zusammen. Tagsüber haben sie im Rahmen eines Abschlussworkshops die Gelegenheit, sich über ihre Praxiserfahrungen auszutauschen und Wissenstransfer zu betreiben, bevor am späten Nachmittag das Projekt mit der feierlichen Zertifikatsübergabe möglichst unter Anwesenheit der Landräte der Naturparkregion sowie Vertretern der Medien beendet wird.

Kontakt

Sie möchten am Bildungsprojekt LebensWege mitwirken, etwa als Kooperationspartner*in oder Teilnehmer*in der Qualifizierungsmaßnahme? Dann kontaktieren Sie mich gern:

Dorit Behrens
Projektmitarbeiterin „LebensWege – Naturerleben für Menschen mit und ohne Demenz“

Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz
Hof Möhr
29640 Schneverdingen
05199 / 989-80

E-Mail


Bitte beachten Sie, dass alle oben stehenden Ausführungen das geistige Eigentum der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz sind und zur Vervielfältigung oder Umsetzung durch Dritte unserer schriftlichen Einwilligung bedürfen. Vielen Dank!

1 Nds. Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung: www.ms.niedersachsen.de; 18.09.2019
2 Vgl. u. a. Li, Qing (2018): Die wertvolle Medizin des Waldes – Wie die Natur Körper und Geist stärkt, Rowohlt; Arvay, Clemens G. (2016): Der Heilungscode der Natur – Die verborgenen Kräfte von Pflanzen und Tieren entdecken, Riemann
Bildrechte: D. Behrens
Bildrechte: D. Behrens
Bildrechte: D. Behrens
Bildrechte: D. Behrens
Bildrechte: D. Behrens
Bildrechte: D. Behrens
Bildrechte: D. Behrens
Bildrechte: D. Behrens
Bildrechte: D. Behrens

Den Aufsatz "Wege zum Ich" von Dorit Behrens können Sie hier als PDF herunterladen.

(Copyright bei der NNA; Vorabpublikation aus den anstehenden „Mitteilungen aus der Naturschutzakademie“)

 Behrens (2020): Wege zum Ich
(PDF, 1,22 MB)

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Dorit Behrens

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln